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WILD AUSTRIA – Urlaub in rot weiß rot

Ein Urlaub der Superlative: Vom größten Gletscher Österreichs bis ins naturbelassenste Tal Europas. Oder: wo macht eine Kräuterpädagogin Urlaub wenn sie es sich aussuchen kann?

Unser Urlaub heuer stand ganz im Zeichen der Natur. Und so hat uns unsere Fahrt in den schönen Süden Österreichs über die Großglockner-Hochalpenstraße, die im Nationalpark Hohe Tauern liegt, geführt. Schon klar – sie gehört zu den Top Ten Sehenswürdigkeiten in Österreich, aber der Haupt-Beweggrund war, einen aktuellen Befund der Pasterze mit eigenen Augen vorzunehmen. Die Pasterze am Fuße des Großglockners ist Österreichs größter Gletscher mit etwas mehr als 8km Länge (Stand: Juli 2021) und zugleich der längste der Ostalpen.

Doch jährlich schmilzt er um über 50m! Bis man von der Franz-Josefs-Höhe zum Rand der Pasterze gelangt, ist es mittlerweile schon ein ziemlicher „Hatscher“. Der Weg ist gesäumt von einigen Tafeln, die den Stand des Gletschers im jeweiligen Jahr belegen – und so wurde unsere Stimmung mit jedem Meter gedämpfter.

Die (vorerst) letzte Tafel, die wir antrafen, belegt den Stand des Gletschers im Jahr 2015 – also vor 6 Jahren – und da war das Entsetzen dann offensichtlich.

Zu sehen, welche Auswirkungen die Klimaerwärmung in nur so kurzer Zeit hatte, ist wohl die beste Kur für jeden, der sich immer noch nicht so sicher ist, ob die Erderwärmung wirklich durch den Menschen induziert ist. Ein trister Gang war das und er hat uns wieder bewusst gemacht, wie sehr es an uns liegt, was zu ändern – und vor allem, dass es allerhöchste Zeit ist!

Dann ging’s wieder hinunter – vorbei an Heiligenblut und dem Jungfernsprung, der 130m tosend herabstürzt – weiter durchs Mölltal nach Osttirol und schließlich nach Obertilliach, wo das Lesachtal beginnt (oder endet, je nachdem, von welcher Seite man es betrachtet).

Alpen-Waldrebe (Clematis alpina)

Und dann waren wir da – im Lesachtal in Kärnten. Was soll ich sagen, ich bin hin und weg von dieser wilden Schönheit in seiner Ursprünglichkeit und dem Artenreichtum. Und dann Stille. Fast. Die wilde Gail mäandert durch das Lesachtal und ist damit eine der ursprünglichsten Flusslandschaften des Alpenraums.

Wie uns gesagt wurde leiten sich viele der Ortsbezeichnung von slawischen Wörtern ab – so lässt sich nach dem Germanisten und Sprachforscher Matthias Lexer das Wort „Lesach“ aus dem slawischen „Lessawe“ herleiten, was soviel bedeutet wie „bei den Waldleuten“. „Gail“ heißt übrigens „die Überschäumende“. 

Natürlich mussten wir gleich mal eine Kräuterwanderung bei Simone Matouch besuchen, um der lokalen Flora auf den Grund zu gehen – hier waren auch ein paar Pflanzen dabei, die mir nicht bekannt waren weil sie bei uns nicht vorkommen. Durch die Nähe zu Italien „schwappen“ nämlich auch einige Arten herüber, die in Österreich sonst nicht so leicht zu finden sind. Ausgiebige Verköstigung im Anschluss an die Kräuterwanderung inklusive. Große Empfehlung!

Gewöhnliche Pechnelke (Silene viscaria)

Auch in sportlicher Hinsicht gibt es Tourenmöglichkeiten en masse – und das ganze immer hart an der Grenze zu Italien, denn auf der Südseite des Tales hat man ständig die italienisch/österreichische Grenze im Blick, an der auch der Karnische Höhenweg entlang führt.

Lesachtal Bike

Ach ja, und dann war da noch die Wanderung auf den Blumenberg – „die Mussen“. Auch hier war der Artenreichtum einfach beeindruckend und gemeinsam mit Wanderführer Jan Salcher bestaunten wir -zig verschiedene Arten – von der seltenen Paradieslilie bis hin zu verschiedenen Flechten.

Alpen-Aster (Aster alpinus)
Bartnelke (Dianthus barbatus)
Weiße Trichterlilie (Paradisea liliastrum), auch Weiße Paradieslilie

Dass diese seltenen Arten bestehen bleiben ist den fleißigen Bergbauern zu verdanken, die auch die steilsten Wiesen mähen und so der Verwaldung entgegenwirken. Das ist hingebungsvolle Landschaftspflege für die Erhaltung dieser großartigen Kulturlandschaft und unseres „botanischen Erbes“.

Untergebracht – wie könnte es anders sein – waren wir übrigens am Bergbauernhof (Jörgishof) mit tollem Ausblick über das Tal. Zum Frühstück gab’s sämtliche Köstlichkeiten aus eigener Milchproduktion, vom Käse über’s Joghurt bis hin zur Butter aus dem Edelweiß-Model. Es war sooo fein – wir kommen bestimmt wieder mal!

Ich könnte euch noch so viel mehr erzählen, aber am besten ihr fahrt auch mal ins Lesachtal und macht euch selbst ein Bild. Es lohnt sich auf jeden Fall!

So schön. Wild. Das Lesachtal.

Weiterführende Links (unbezahlte Werbung)

Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins:

https://www.alpenverein.at/portal/service/presse/2021/2021_04_09_gletscherbericht-2020.php

Lesachtal:

http://www.kulturwerkstatt-lesachtal.at/index.php/geschichtliches
https://www.joergishof.info
https://www.lesachtal.com/de/

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