Pflegen

OUT OF THE WOODS!

– Hol dir den Wald ins Bett ∼

Oder: Entspannung im Schlaf…

Also ich mach mir ja seit einigen Monaten meine Gesichtscreme selber, beziehungsweise versuche ich überhaupt, nach und nach alle meine Kosmetikprodukte gegen selbst gemachte auszutauschen. Das ist gar nicht so einfach, bis man mal happy ist mit seinem Repertoire, aber diese Creme hier zählt auf jeden Fall schon jetzt zu meinem Standard-Set. Und deshalb gibt’s für euch hier auch das Rezept zum Nachmachen.

Aber zuerst noch ein paar Facts über Harz, weil ich es so faszinierend finde.

  • Fichtenharz ist ein Gemisch aus Harzsäure und ätherischen Ölen
  • Bäume schützen sich damit vor unterschiedlichen Insekten
  • Harz hat eine starke antimikrobielle Wirkung, so wird das Wachstum von Bakterien gehemmt
  • Fichtenharz wird auch für die Behandlung von Schürfwunden, Arthritis, Eitergeschwüren, Brandwunden, Erkältungen, Tuberkulose, Husten, Durchfall und anderen Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Halsentzündungen, Rheumatismus, Steinbildung, Geschwülsten und Wunden verwendet
  • Achtung: Pechsalbe nicht auf frische Brandwunden auftragen!
  • Es wird auch zum Räuchern verwendet (in getrockneter Form)
  • Wusstest du, dass Jäger/Förster früher das Harz als Kaugummi verwendet haben? Man sagt, dass sie deshalb so weiße Zähne hatten 😉 Ich habs auch schon ausprobiert, schmeckt frisch, aber es legt sich schon als Schicht über die Zähne, deshalb sollte man auch nur wirklich gut getrocknetes Harz dafür verwenden. Es ist auf jeden Fall eine gesündere Alternative zu gekauften Kaugummis…
  • Finnische Forscher haben rausgefunden, dass Harzsalben aus Fichtenharz bei der Behandlung von Druckgeschwüren wirksamer sind als gängige Hydrokolloide (bei der Studie heilten bei 12 von 13 Patienten die Druckgeschwüre innerhalb von sechs Monate vollständig ab, auch der entzündungshemmende Effekt wurde nachgewiesen und rausgefunden, dass sogar das Wachstum eines hartnäckigen Keims 〈methicillinresistenten Staphylococcus aureus〉 gehemmt wird)

Und das brauchst du dafür:

  • 30g Fichtenharz gereinigt (ich sammle Fichtenharz klarerweise nur an Stellen, an denen das Harz schon von selbst aus dem Baum austritt und gehe ganz behutsam vor, damit ich die Wunde des Baumes nicht öffne, sondern nur den Überschuss weg nehme!) Natürlich kannst du auch anderes Harz verwenden, ich habe auch schon eine Creme mit Föhrenharz ausprobiert, es war aber nicht ganz so intensiv wie mit Fichtenharz.
  • 130ml Tymian-Ölauszug (ich habe es gemischt mit Fichtenwipfel-Ölauszug)
  • 35g Lanolin (achtet hier beim Kauf darauf, dass ihr „lanolin anhydrid“ bzw. wirklich „adeps lanae“ bekommt, sonst erhlält man „Apotheken-Lanolin“, bei dem Paraffin und Wasser zugesetzt ist!)
  • 15g Bienenwachs
  • etwas Moos
  • 45g Latschenkiefer-Hydrolat

Ergibt etwas mehr als 4 x 60ml.

So geht’s:

Das gereinigte Fichtenharz in dem Thymian-Ölauszug (im Wasserbad) schmelzen, das Moos dazu geben und kurz wallen lassen, abseihen. Das Bienenwachs in der abgeseihten Masse schmelzen und das Lanolin dazu geben (nur so heiß wie nötig!). Das Latschenkiefer-Hydrolat ebenfalls auf 60-75 Grad erwärmen und der Fettphase beimengen, wirklich gut kaltrühren, damit sich die Creme später nicht entmischt und in Tiegel abfüllen.

Vorsicht: Harzrückstände bekommt man nur sehr schwer wieder aus dem Topf heraus, daher lieber einen alten Topf verwenden oder einen, in dem ihr die Creme dann immer wieder macht…

Dadurch, dass im Fichtenharz bereits ätherisches Öl enthalten ist, spare ich mir dann die extra Zugabe eines anderen ätherischen Öles… und es duftet ohnehin so wunderbar!

Damit hat man also ein super Pflegecreme (ich verwende sie hauptsächlich als Gesichtscreme in der Nacht) mit nur ganz wenigen Zutaten. Die Creme wirkt aufgrund des Harzes desinfizierend und der Thymian ist eines der besten Mittel bei unreiner und fetter Haut, er wirkt heilend und antiseptisch.

Beim Biken & Wandern bin ich auch viel im Wald unterwegs, umso lässiger finde ich es, dass ich mir mit der Creme den Wald nach Hause holen kann! Man sagt ja, ein paar Stunden im Wald sind wie ein Kurzurlaub – und den hol ich mir einfach im Schlaf 😉

4 comments

    1. Hörnchemmeister
    2. 7. Oktober 2017
    3. Antworten

    Durfte diese wunderbare Creme bereits testen und muss sagen: Sensationell! Einschlafen wie in der Natur und gut zur Haut ist´s sowieso. Merci Vielmals @Sophiabotanika für die Probe!

      1. Sophie
      2. 10. Oktober 2017
      3. Antworten

      Oh danke für das Feedback @Hörnchenmeister, freut mich sehr! 😉

    1. Bachmann
    2. 9. September 2019
    3. Antworten

    Guten Tag!

    Der Artikel hat mich dazu gebracht, es selber auszuprobieren. Ich habe mich mit Harz auseinandergesetzt und die Inhaltsstoffe recherchiert.
    Durch den Ölauszug (warm) entstand durch das Terpentin jedoch ein übler Gestank in der Küche und ich bin mir nicht sicher, ob das so sein muss? Da es ja Terpentin im Harz hat und das erwärmt wird, fängt es an nach Terpentin zu riechen. Ich verwende nur Harz und Mandelöl, um den Duft des Harzes zu erhalten.
    Ich frage mich zudem, wenn man ein Kaltauszug erstellt, besteht denke ich das gleiche Problem; das Öl zieht doch auch den Duftstoff des Terpentins aus?

    Ich würde mich über ein Feedback freuen!

    Lieber Gruss

      1. Sophie
      2. 10. September 2019
      3. Antworten

      Hallo Christoph! Danke für das Feedback! Freut mich, dass es zum Ausprobieren anregt! Hmm, ich kann mich eigentlich zu keinem Zeitpunkt an einen üblen Geruch während der Herstellung erinnern – es sollte ohnehin immer nur ganz sanft erhitzt werden, um die Qualität des Ölauszuges nicht zu mindern. Den Ölauszug mache ich zuvor bereits kalt, ich erwärme ihn dann nur kurz, um das Herz darin zu schmelzen. Probiere es gerne nochmal aus und gib Bescheid, ob es geklappt hat! Viel Erfolg! Liebe Grüße, Sophie

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