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ACH DU GRÜNE NEUNE! Der Klassiker zu Ostern: Die Neunkräutersuppe ∼

Ich bin immer wieder fasziniert, wie zu jeder Jahreszeit genau das wächst, was unser Körper jeweils benötigt. Und im Frühling sind die jungen Power-Kräuter genau das richtige, um unseren Organismus wieder in Schwung zu bringen und zu reinigen.

Traditionellerweise zu Ostern – oder genauer gesagt am Gründonnerstag – ist die Neunkräutersuppe ein absoluter Klassiker. Sie ist eines der ältesten Gerichte, um den Frühling willkommen zu heißen. Doch warum nicht auch unterm Jahr öfter mal eine Wildkräutersuppe kochen? Unser heimisches Superfood wächst direkt vor der Haustüre und ist damit unübertroffen in Sachen Frische und Nährstoffgehalt. Wildkräuter sind nämlich reich an sekundären Pflanzenstoffen, die wir normalerweise nicht so leicht zu uns nehmen (diese sind zum Beispiel Antioxidantien, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe oder ätherische Öle, etc.). Doch auch im Hinblick auf Vitamine und Mineralstoffe beinhalten Wildkräuter oft ein Vielfaches der Werte im Vergleich zu Kulturgemüse – pauschal gesagt beträgt die Überlegenheit der Wildpflanzen vom Mittelwert her gesehen zum Beispiel bei Magnesium das 3-fache, bei Eisen sogar den 10-fachen Gehalt.

 

Es grünt so grün

Was oft auch noch nicht bekannt ist: Wildpflanzen wirken durch den hohen Mineralstoffgehalt basisch und stellen damit ein optimales Mittel zur Entsäuerung, Entschlackung und Entgiftung des Körpers dar.

Und: das Chlorophyll (Blattgrün) ist dem Hämoglobin unseres Blutes sehr ähnlich, es hat eine stark entgiftende und vitalisierende Wirkung und versorgt die Zellen mit Sauerstoff. Netter Nebeneffekt: Es wirkt auch jeder (unangenehmen) Art von Körpergeruch entgegen. Und obendrein reinigen die enthaltenen Faserstoffe den Darm, binden Toxine und Entzündungsstoffe und wirken so Darmerkrankungen entgegen.

 

Your pick!

Hier könnt ihr euren Vorlieben freien Lauf lassen bzw. kommt es auch darauf an, was bei euch (schon) so wächst. Tolle Kräuter für diesen Zweck sind auf jeden Fall Brennnessel, Vogelmiere, Franzosenkraut, Giersch, Löwenzahn, Scharbockskraut (aber nur bevor es blüht, danach entwickeln sich giftige Stoffe in den Blättern!), Spitzwegerich, Schafgarbe, Gänsefingerkraut, Sauerampfer (nicht zu viel wegen der enthaltenen Oxalsäure), Hirtentäschel, Taubnessel, Rotklee, etwas Gundelrebe und wenn ihr wollt, natürlich auch etwas Bärlauch.

Natürlich ist die Flora von Region zu Region verschieden bzw. können einzelne Pflanzen da oder dort auch geschützt sein (z.B. Bärlauch steht in Norddeutschland auf der roten Liste, einige Schlüsselblumen-Arten sind auch in Österreich geschützt, etc.) – bitte hier jeweils den lokalen Schutz-Status beachten! Grundsätzlich werden immer die jüngeren Blätter oder Triebspitzen gepflückt, da diese noch zarter und feiner im Geschmack sind. Und: natürlich muss man sich absolut sicher sein, was man pflückt – bei Unsicherheit das Kraut bitte stehen lassen (Giersch z.B. bitte nur pfücken, wenn ihr ihn schon kennt, er gehört zur Familie der Doldenblüter – und innerhalb dieser gibt es einige giftige Vertreter, etc.)!

 

Hier noch ein paar Details zu einzelnen Kräutern, die besonders bemerkenswert sind:

Brennnessel

Die Brennnessel ist eines der absoluten Blutreinigungs-Mittel! Sie wirkt entschlackend und gilt als Vitalisierungsmittel für Leber, Bauchspeicheldrüsen, Magen, Darm und Galle. Sie ist reich an Mineralstoffen (sie liefert u. a. viel Calcium und Eisen – 50x so viel wie Kopfsalat) und an Vitaminen (z. B. der Vitamin-C Gehalt beträgt 2x mehr Vitamin-C als Orangen, 30x so viel Vitamin-C wie Kopfsalat). Und auch der Eiweiß-Gehalt kann sich blicken lassen. Weitere Details zur Brennnessel könnt ihr unter anderem auch in diesem Artikel hier nachlesen.

Vogelmiere

Aufgrund des hohen Gehaltes an Chlorophyll zählt die Vogelmiere zu den blutreinigenden und mineralienreichen Grünpflanzen, die in einer Frühjahrskur nicht fehlen sollten. Im Vergleich zu Kopfsalat enthält sie hinsichtlich der Mineralstoffe doppelt so viel Calcium, 3x so viel Kalium und Magnesium und 7x so viel Eisen. Auch der Vitamin-C Gehalt ist mit dem 8-fachen Wert im Vergleich zu Kopfsalat beachtlich, weiters enthalten sind viele B-Vitamine, das Spurenelement Selen, Kieselsäure und Gammalinolensäure usw. Alles zur Vogelmiere könnt ihr auch hier nochmal nachlesen.

Franzosenkraut

Besitzt ca. 5x mehr Magnesium, 11x mehr Kalzium, 12x mehr Eisen, 4x mehr Vitamin A und 9x mehr Vitamin-C als die gleiche Menge Kopfsalat. In puncto Eisen enthält es übrigens den größten Wert unter den essbaren Wildkräutern! Außerdem enthält es besonders viel Mangan – ein wichtiges Spurenelement, das heutzutage oft für den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel fehlt. Ein kleines Portrait des Franzosenkrautes findet ihr auch hier.

Giersch

Enthält viel Vitamin-C, Karotinoide und wertvolle Mineralien wie Eisen und Mangan. Weiters enhält er mehr als doppelt so viel Eiweiß wie Grünkohl. Er unterstützt den Stoffwechsel dabei, saure Ablagerungen zu lösen und auszuscheiden. Alle Details zum Giersch könnt ihr unter anderem auch in diesem Artikel hier nachlesen.

Löwenzahn

Er ist reich an Mineralstoffen, Vitaminen und Enzymen und wirkt so belebend auf alle Körperfunktionen. Er enthält 5x so viel Eiweiß, 8x so viel Vitamin-C und doppelt so viel Kalium, Magnesium und Phosphor wie Kopfsalat! Löwenzahn wirkt gallebildend, gallenflussfördernd, nierenanregend, leberstärkend, stoffwechselanregend und antirheumatisch.

Schafgarbe

Sie enthält viele Mineralstoffe, aktiviert den Stoffwechsel und reinigt das Blut. Die Schafgarbe gilt als krampflösende und appetitanregende Heilpflanze, bei Magen- und Darmproblemen kann sie auch entzündungshemmend wirken. Mehr zur Schafgarbe gibt’s auch hier nachzulesen.

Bärlauch

Bärlauch ist reich an Vitaminen (10x mehr Vitamin-C als in Zitronen), Mineralstoffen und Spurenelementen (besonders Kalium und Mangan). Er wirkt blutreinigend, entzündungshemmend, schleimlösend, regt den Stoffwechsel an und ist allgemein stärkend. Bärlauch entschlackt den Körper, aktiviert die Lymphe und vertreibt Pilze aus dem Darm, außerdem erhöht er die Zahl der Killerzellen und stärkt so das Immunsystem (enthaltene Stoffe Alliin und Allicin wirken antibiotisch). So wie auch Knoblauch unterstützt er Herz und Kreislauf, senkt den Blutdruck und beugt der Verkalkung der Arterien vor. Alles zum Bärlauch könnt ihr auch in diesem Artikel nochmal nachlesen.

 

Hier kommt nun das Rezept für meine Version der 9-Kräuter-Suppe.

Und das brauchst du dafür:

  • 4-5 Handvoll frisch gepflückte Wildkräuter, siehe Auswahl oben
  • 2-3 Kartoffeln
  • 1 große Zwiebel
  • 1 L Wasser & Suppenwürze oder 1L Gemüsebrühe
  • 50ml Obers (oder etwas fettere Rohmilch)
  • Olivenöl, Steinsalz, Pfeffer

So geht’s:

Zerkleinerte Zwiebel gut in Olivenöl anschwitzen und mit dem Wasser aufgießen. Suppenwürze und geschälte, klein geschnittene Kartoffeln dazu geben und das Ganze köcheln lassen bis die Kartoffeln weich sind. Die grob gehackten Kräuter zugeben und kurz mitköcheln lassen. Dann noch das Obers dazu geben und alles gut pürieren. Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Als Einlage eignen sich super einfache Schwarzbrotwürfel, dazu einfach 2 Scheiben Schwarzbrot (auch optimal zur Resteverwertung von nicht mehr ganz frischem Brot) in kleine Würfel schneiden und in etwas Öl oder Butter knusprig anbraten.

Gutes Gelingen beim Nachmachen eurer eigenen Interpretation der Neunkräutersuppe – hinterlasst gerne einen Kommentar wie eure geworden ist! 🙂

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