Nähren

PFLANZEN SELBST ZIEHEN

– Die 10 wichtigsten Punkte, um Grünes von der Pike auf zu begleiten ∼

Selbstgezogenenem beim Wachsen zusehen, das ist wohl eines der beeindruckendsten Dinge überhaupt.

Bald kündigt sich der März an – höchste Zeit also, um die Samen unter die Erde zu bringen. Hier findet ihr eine kurze Anleitung in 10 Punkten, wie man das relativ selbständig oder autark bewerkstelligen kann.

Ich bin nämlich ein großer Fan davon, Pflanzen von eigens gesammeltem Bio-Saatgut zu ziehen. Nichts gegen Jungpflanzen, die kauf ich dann auch gerne im April/Mai von hochwertigen Anbietern noch dazu, aber es hat schon etwas super ursprüngliches, wenn man den ganzen Prozess von vorne bis hinten selbst begleitet. Und so weiß ich auch, dass die Pflanzen bestimmt nicht behandelt wurden.

 

  1. Wann ist der beste Zeitpunkt, um die Samen auszusäen?

Also, wenn du eigene Pflanzen selbst im Haus ziehen möchtest, solltest du ca. Anfang März damit beginnen. Zu früh aussähen bringt nichts, denn dann ist das Verhältnis von Temperatur und Lichtstärke nicht günstig genug und es kann vorkommen, dass die Pflänzchen dann an „Vergeilung“ leiden (also wenn die Sämlinge lange dünne Stängel ausbilden und die Pflanze nur kleine, fahlgrüne Blättchen ausbildet). Im Haus am Besten einen hellen, warmen Ort dafür wählen (nicht unbedingt direkte Sonneneinstrahlung).

Im Gewächshaus oder Frühbeet kann man allerdings schon etwas früher starten, da die Pflanzen dort einfach besser belichtet werden und sich hier das Gleichgewicht aus Licht und Temperatur auch besser steuern lässt.

Der Zeitpunkt bei der Direktsaat im Beet hängt stark von der Winterhärte der jeweiligen Pflanze ab. Karotten zum Beispiel kann man schon im März aussäen, Bohnen sollten allerdings noch nicht vor den Eisheiligen keimen.

Falls du gekauftes Saatgut hast, so findest du meist auf der Rückseite eine kurze Info, ab welchem Monat die Direktsaat erfolgen kann.

 

  1. Welche Samen soll ich verwenden?

Wie gesagt, ich verwende gerne eigens gewonnenes Saatgut aus hochwertigem Bio-Saatgut. Wer das (noch) nicht zur Verfügung hat, sollte sich am Besten samenfeste Bio-Samen besorgen. Sie sind zwar ein bisschen teurer als konventionelle Samen, allerdings kann man sie jahrelang nutzen, da ihre Eigenschaften auch in der nächsten Generation erhalten bleiben. Denn im Gegensatz zu so genannten Hybridsamen (die von der Saatgutindustrie nur für die einmalige Aussaat gezüchtet wurden und oft mit F1 gekennzeichnet werden) kannst du aus den geernteten Früchten wieder neue Samen für die nächste Saison gewinnen – und das meist im Überfluss!

 

Tipp:

Du kannst dich ja mit Freunden oder Nachbarn zusammen tun und eure gekauften Samenpäckchen aufteilen. Meistens enthält ein Päckchen Samen für 20-90 Pflänzchen, oder ca. vier bis zehn Quadratmeter – also ohnehin viel mehr, als ein Hobbygärtner benötigt. Wenn du dann am Ende der Saison noch Samen übrig hast, kannst du sie auch auf einer Samentausch-Börse gegen andere samenfeste Sorten tauschen. Damit bereicherst du nicht nur deinen (Gemüse)garten, sondern trägst auch zum Erhalt alter regionaler Sorten bei. Und obendrein trägst du zur Freiheit der Vielfalt bei, denn so macht man sich von großen Konzernen unabhängig und sichert durch den Anbau den Fortbestand der Sorten. Samenlager sind auch eine tolle Erfindung, allerdings können Samen erst durch den ständigen Anbau wirklich gesichert werden und bleiben so robust gegenüber den ständig wechselnden Umweltanforderungen. Mittlerweile habe ich schon ein eigenes kleines Samenarchiv, auf das ich jedes Jahr im Frühling zurück greifen kann bzw. wird es dann über die Saison hinweg ständig erweitert. Dadurch, dass aus einem einzelnen Samen eine Pflanze mit einer Vielzahl an weiteren Samen entsteht, vervielfältigt sich das Saatgut ja förmlich von selbst und man muss immer nur einen schwindend kleinen Teil der Ernte dafür „einbüßen.“ Ganz im Gegenteil, es kommt dann mehrfach wieder retour 😉

-> Mehr zum Thema Saatgut kannst du auch in diesem wirklich tollen Buch nachlesen:

Anja Banzhaf: Saatgut – wer die Saat hat, hat das Sagen (oekom Verlag)

 

  1. Welche Erde sollte ich für die Aussaat verwenden?

Am besten, man verwendet richtige Aussaat-Erde. Das ist deshalb wichtig, weil diese Erde eher nährstoffarm ist und die jungen Pflänzchen nicht gleich überfüttert, sondern sie zum Grund der Nährstoffversorgung dazu bringt, ein dichtes Wurzelnetz auszubilden und stark zu werden. Man kann allerdings das Gefäß zur unteren Hälfte mit normaler Pflanzerde befüllen und die obere Hälfte mit Aussaaterde, so wird die Pflanze zuerst dazu gebracht, starke Wurzeln auszubilden und dann gleich mit richtigen Nährstoffen versorgt.

 

  1. Anzucht-Schalen vs. einzelne Töpfe?

Das hängt davon ab, wie keimfreudig das jeweilige Saatgut ist.

Wenn es zum Beispiel um grobkörniges und Saatgut wie Tomaten geht, das auch relativ zuverlässig keimt, so spricht nichts dagegen, ca. 2-4 Samen in einem kleinen Topf heran zu ziehen. So lassen sich die jungen Pflänzchen später einfacher vereinzeln und man spart sich das aufwändige Pikieren (=das Umsetzen von Sämlingen aus der gemeinsamen Anzuchtkiste in einzelne kleine Töpfe, damit sich die Pflanze optimal ausbilden kann und nicht im ständigen Konkurrenzkampf steht.)

Feines Saatgut sollte allerdings besser in Schalen ausgesät werden, so kann man sich aus einer Vielzahl von Sämlingen einfach die kräftigsten aussuchen. Fyi, leichter tut man sich beim Aussäen von feinem Saatgut, wenn man es mittels einem Sieb gleichmäßig verstreut.

Ich versuche eher immer die Anzucht in kleineren Töpfen vorzunehmen, so kann man die Pflanzen leichter (inklusive Erdballen) trennen, wenn sie stark genug sind und die Wurzeln werden dabei nicht beschädigt. Ich verwende hier verschiedenste kleine Töpfe, oft auch einfach leere Konservendosen (solche die innen beschichtet sind!), hier muss man allerdings ein kleines Loch am Boden machen oder aufpassen, dass sich keine Staunässe bildet.

Torf-Töpfe sind ebenfalls sehr praktisch, da man die Pflanze samt Topf einfach in das Beet setzen kann und somit ebenfalls die Wurzel nicht beschädigt. Du kannst aber auch leere Eierkartons für die Anzucht verwenden, wenn das Saatgut gekeimt ist, kannst du den Eierkarton einfach auseinander schneiden und das Pflänzchen samt Karton in eine größeren Topf oder direkt ins Freie umpflanzen.

 

  1. Wie pikiere ich richtig?

Pikieren sollte man dann, wenn sich die Keimblätter und die ersten Blätter entwickelt haben. Bei Pflanzen ohne Keimblätter, am besten warten, bis das vierte Laubblatt zu sehen ist. Grundsätzlich gilt: nicht zu lange warten mit dem Pikieren, da kleinere Pflanzen wieder schneller anwachsen als größere. Außerdem machen sich die Pflanzen sonst das Licht streitig und hemmen sich so gegenseitig in ihrem Wachstum. Richtig pikiert wird mittels Pikier-Stäbchen, so kann man das einzelne Pflänzchen leicht aushebeln (ganz behutsam vorgehen und die Wurzel nicht verletzen) und an einen separaten Ort mit mehr Platz für sich umsiedeln.

 

  1. Muss ich meine Aussaat-Behälter abdecken?

Wenn du die Pflänzchen im Haus ziehst, benötigen sie Wärme und relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Da die Zimmerluft meist eher trocken ist, kann eine Abdeckhaube hier helfen. Einzelne Töpfe können auch mittels umgedrehter Einmachgläser oder Frischhaltefolie abgedeckt werden. Wichtig dabei ist aber, die Abdeckung täglich herunter zu nehmen, damit optimaler Luftaustausch stattfinden kann und sich keine Pilze ansiedeln.

 

  1. Aussaat von Licht- vs. Dunkelkeimern?

Einige Pflanzenarten keimen nur durch einen gewissen Lichtimpuls, daher ist es bei ihnen wichtig, dass sie nicht zu weit unter der Erde sind. Dies ist zum Beispiel bei Dill, Kresse, Sellerie, Basilikum, Fingerhut oder Löwenmaul der Fall. Am Besten, du streust die Samen der Lichtkeimer einfach auf die Erde und drückst sie mittels einem flachen Holzbrett sanft in die Erde. Anschließend können die Samen noch von einer leichten Schicht Sand überdeckt werden.

 

  1. Wann sollten die ersten Pflänzchen sichtbar sein?

Die Keimzeit ist je nach Pflanzenart sehr unterschiedlich. Sie kann von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen dauern – also nicht die Geduld verlieren – die Natur braucht Zeit! Bei manchen Samen ist es auch hilfreich, wenn man sie vor dem Säen über Nacht in ein sehr feuchtes Tuch legt, da damit die Keimung beschleunigt werden kann.

 

  1. Wie soll ich meine Anzucht am besten gießen?

Wenn das Saatgut noch nicht gekeimt ist oder die Pflänzchen noch sehr klein sind, verwendest du am Besten eine Sprühflasche oder einen Zerstäuber. Damit stellst du sicher, dass du die Pflänzchen nicht gleich „ertränkst“ und dass die Feuchtigkeit optimal verteilt wird. Hier ist also Fingerspitzengefühl gefragt – die Erde sollte zwar immer feucht sein, aber nie richtig nass sein. Unbedingt vermeiden sollte man auch Staunässe! Falls du also einen wasserdichten Topf zur Anzucht verwendest, ev. kleine Löcher an der Unterseite machen, damit das Wasser ablaufen kann. Wenn die Tage im April langsam wärmer werden, kannst du deinen Pflänzchen tagsüber auch mal eine Frischluftkur im Freien gönnen.

 

  1. Wann können die vorgezogenen Pflanzen ins Freie?

Grundsätzlich gilt: Zur Sicherheit sollten die Eisheilgen (Mitte Mai) abgewartet werden. Selbst ausgesäte winterharte Pflanzen können schon im Frühjahr in den Garten übersiedelt werden.

Wichtig: in den ersten Wochen über Nacht die Pflänzchen bis Anfang Juni gut mit einem Vlies abdecken, um die Pflanzen keinem Temperaturschock auszusetzen! Und: die Pflanzen nicht gleich der prallen Sonne aussetzen! Idealerweise mit temperiertem Wasser angießen.

 

-> Wer doch lieber auf Jungpflanzen zurückgreift oder zusätzlich noch sein Sortiment erweitern will, der kann auch zum Gärtner seines Vertrauens gehen oder bei einem der Jungpflanzenmärkte von Arche Noah vorbei schauen –

in Salzburg zum Beispiel am 28. und 29. April 2018 im Botanischen Garten der Universität Salzburg

oder auch in weiteren Städten in Österreich:

https://www.arche-noah.at/kalender/maerkte-oesterreichweit


Im Herbst gebe ich euch dann gerne ein Update zur Gewinnung eures eigenen Saatgutes. Bis dahin – viel Spaß beim Ziehen eurer eigenen Pflanzen und beim Genießen eures selbst gezogenen Gemüses, Kräutern & Co!

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